1991

Die Jahre 1990 bis 1999:
Der Text wurde der Broschüre 90 Jahre Bitterfelder Verein für Luftfahrt 1909-1999 entnommen. Autor der Texte zu den Jahren 1990 bis 1999 ist Dr. Bernd Göhrmann

1991

1991 beginnt für den Verein mit einem Wechsel im Vorstand. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurden Dr. Bernd Göhrmann zum Geschäftsführer, Ralf Hirsch zum Fahrtenwart und Lothar Heinrich zum Kassenwart gewählt. Die zunächst wichtigste Aufgabe des neuen Vorstandes, nach wie vor unter Vorsitz von Dr. Seifert, war die Beschaffung und Indienststellung eines Gasballons für den Verein. Hilfe kam von den Ballonvereinen aus Essen und Mari, die eine alte Ballonhülle, Netz, Korb und ein Funkgerät zur Verfügung stellten. Finanzielle Unterstützung erhielt der Verein durch die Städte Bitterfeld und Wolfen und von der Fa. Thode aus Essen. Um aus den Einzelteilen einen lufttüchtigen Ballon zu schaffen, waren noch eine Reihe organisatorischer Hürden zu überwinden. Der Vereinsvorstand konnte jedoch zur Mitgliederversammlung des DFSV im März 1991 in Bad Orb alle interessierten Gasballonvereine zur Taufe des ersten Bitterfelder Ballons am 4. Mai einladen. Am Vorabend der Taufe waren die Wetterprognosen für den nächsten Tag äußerst ungünstig. Die Meteorologen prophezeiten tiefhängende Wolken, Niesel- und Dauerregen – alles Prognosen, die gegen das Vorhaben sprachen. Trotz allem beschloss der Vorstand: Der Ballon wird gefüllt, die Taufe findet statt. Jeder Pilot der zahlreich angereisten Gäste aus den Ballonvereinen von Marl, Essen, Münster, Stuttgart, Augsburg, Sonthofen, Burgkirchen, Düsseldorf und der Kulturgesellschaft Freiballon entscheidet selbst ob er starten will oder nicht. So ging man am späten Abend auseinander, und die meisten Piloten hatten nicht die Absicht, mit ihrem Ballon zur Taufe am nächsten Morgen aufzusteigen. Das Wetter besserte sich in der Nacht; der Wind blieb in erträglichen Grenzen, und mit einiger zeitlicher Verzögerung erschienen nun auch die Piloten, einer nach dem anderen auf dem Startplatz. Schließlich wurden sieben Ballone gefüllt, allen voran der Täufling. Nach kurzen Ansprachen, die den Anlass würdigten und dem Taufen des nunmehr neuen D-Bitterfeld (1050 cbm) mit dem Inhalt einer Flasche Sekt durch die Bitterfelder Bürgermeisterin Edelgard Kauf, die ihm die glückverheißenden Worte Allzeit Glück ab und Gut Land! zurief, stieg der Ballon schnell auf zu seiner ersten Fahrt. Es war der 13. Ballon mit diesem Namen. Unter seinem vorherigen Namen D-Karstadt wäre es die 216. Fahrt gewesen. Nach und nach folgten sechs weitere Ballone. Inzwischen war der Wind fast eingeschlafen, die Sonne schien vom blauen Himmel, und mehrere hundert wenn nicht sogar tausend Zuschauer konnten die bunten Luftfahrzeuge noch lange beobachten. Der D-Bitterfeld mit den Piloten Udo Braun und Dr. Dieter Apitzsch und den Mitfahrern Dr. Seifert und Walter Müller an Bord landete nach einer fünfstündigen Fahrt, etwas in der Mittagsthermik gebeutelt, glücklich in der Nähe von Bad Schmiedeberg in der Dübener Heide.

Am Abend starteten bei immer noch prachtvollem Wetter noch zwei Heißluftballone und entfernten sich in Richtung Eilenburg, bis der Sonnenuntergang sie zur Landung zwang. Für viele Bitterfelder waren diese Ballonstarts ein spektakuläres und zugleich aufmunterndes Ereignis. Mit dem markanten Schriftband Bitterfeld – Wolfen, eine Region wandelt sich auf der Hülle ihres ersten Ballons setzten die Bitterfelder Ballonfahrer ein weithin sichtbares Zeichen der Hoffnung auf eine ökonomische und ökologische Verbesserung der Lage in ihrem Heimatraum.

Das Jahr 1991 war durch eine allgemeine Konsolidierung des Vereins gekennzeichnet. Der BiVfL verfügte nunmehr über einen festen und zuverlässigen Stamm von 26 Mitgliedern, davon 8 mit Doppelmitgliedschaften in anderen, westdeutschen Vereinen. Weitere publikumswirksame Ereignisse waren im März die Starts der beiden Heißluftballone D-Ruhrgas und D-Westspiel anlässlich der 1. Verkaufs- und Leistungsschau im Bitterfelder Stadtpark. Franzis Diehl, Ehrenmitglied im BiVfL und einzige damals noch lebende Vorkriegspilotin des Vereins, machte sich dabei noch als fast Neunzigjährige mit der für sie neuen Heißluftballontechnik vertraut.

Anlässlich des Europafestes in Magdeburg startete der D-Bitterfeld am 28. und 29. September, jeweils mit einer Trailerfüllung von den Magdeburger Eibwiesen aus dem Rotehorn Park.

Auch der Kontakt zum Partnerverein, dem BCW-Marl, wurde durch Besuche und einem Start mit dem D-Bitterfeld vom Startplatz Lohmühle aufrechterhalten. Zur geplanten Ausbildung Bitterfelder Pilotenkandidaten konnte jedoch der Marler Verein nur wenig Unterstützung geben, da die Luftfahrerschule in Mari ruhte. Die erforderlichen Voraussetzungen zur Aufnahme einer Pilotenausbildung waren durch das Ablegen des Funksprechzeugnisses BZF ll und dem Besuch eines Lehrgangs über Luftrecht von mehreren Vereinsmitgliedern erfüllt worden. Weiterhin legten Klaus Schmöhl und Lothar Heinrich erfolgreich ihre Prüfungen in einem Ballonmeister- Lehrgang in Augsburg ab.

Im Jahr 1991 wurden mit dem D-Bitterfeld sieben Fahrten absolviert; darunter vier Starts außerhalb von Bitterfeld. Im September nahm der BiVfL erstmals wieder an einer Gasballonwettfahrt teil. Pilot des D-Bitterfeld bei der 21. Oberbayrischen Herbstwettfahrt war Klaus Czesny. Das Bitterfelder Team mit Ralf Hirsch und Klaus Schmöhl belegte von 13 Teilnehmern den 7. Platz. Die weiteste Fahrt des Jahres legte Volker Löschhorn am 5. Oktober zurück. Sie endete nach 9 Stunden und einer zurückgelegten Strecke von 279 Kilometern in der Nähe von Rostock. Alle diese Fahrten wurden noch mit auswärtigen Piloten durchgeführt. Regelmäßig war nun die Ballonsportgruppe Stuttgart zu Gast, und mit Hilfe Stuttgarter Piloten wurde der praktische Umgang mit dem Ballon erlernt und grundlegende Kenntnisse erworben.