1938

Die Jahre 1919 bis 1939:
Der Text wurde der Broschüre 90 Jahre Bitterfelder Verein für Luftfahrt 1909-1999 entnommen. Autor der Texte zu den Jahren 1919 bis 1939 ist Dr. Jürgen Seifert.

1938

Am 26. März 1938 starb der verdienstvolle ehemalige Vorsitzende des Bitterfelder VfL Dr. Max Jaeger. Bei der am 15. Mai um den Ehrenpreis der Mitteldeutschen National-Zeitung stattfindenden Wettfahrt ging ein neuer Bitterfelder Ballon Dr. Max Jaeger (1260 m³) auf seine erste Fahrt (der Vorgänger wurde beim Güterbahnhofbrand 1937 in Halle vernichtet). Es war eine auf 8 Stunden begrenzte Weitfahrt. Sieger unter den 7 aufgestiegenen Ballonen wurde Eugen Stüber mit dem Ballon Leipziger Messe ll (630 m³). Die Bitterfelder Ballonführerin Franzis Diehl führte den Ballon mit dem Namen ihres Onkels auf der ersten Fahrt. Der älteste aktive Ballonführer Bitterfelds, Otto Göhrmann, startete zu seiner 75. Fahrt. Er war Gründungsmitglied des Bitterfelder VfL und hatte in diesem verschiedene Funktionen inne gehabt.

Auch den kleinsten deutschen Wasserstoffballon (268 m³) sah man in Bitterfeld am 8. Juni aufsteigen. Beim vorjährigen Gordon-Bennett-Wettbewerb in Brüssel hatten 3 solcher kleinen Ballone beachtliche Erfolge errungen. Hauptsturmführer Hermann Solmecke vom Stab des Korpsführer des NS-Fliegerkorps war extra aus Berlin angereist, um diesen Ballon zu testen. Der Ballon landete nach 1 1/2 Stunden in der Nähe von Köthen.

Zum Dr. Jaeger-Pokal am 14. August starteten 9 Ballone zu einer auf 10 Stunden begrenzten Weitfahrt. Sie führte in Richtung Süddeutschland. Am Abend begrüßten sich 7 Mannschaften auf dem Hauptbahnhof von Nürnberg und konnten fachsimpelnd im gleichen Zug nach Bitterfeld zurückfahren. Sieger: Kurt Zimmermann (Bitterfeld) mit dem Ballon Pommern (800 m³).

Die Wettfahrt um den Wanderpreis für Wasserstoffballone ging am 25. September vor sich. 13 Ballone starteten zu einer auf 9 Stunden begrenzten Zielfahrt zum Bahnhof Hagenow-Land. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer landete in einem Umkreis von nur 5 km vom Ziel. Sieger wurde der Bitterfelder Ballonführer Willi Drechsler, der bis auf 700 m an das Ziel herangekommen war. Er gewann damit den seit 5 Jahren hart umstrittenen Wanderpreis endgültig für Bitterfeld. Willi Drechsler war einer der hervorragenden Bitterfelder Ballonführer, der sich insbesondere um die wissenschaftliche Höhenfahrt verdient gemacht hatte.

Diesen Forschungsaufgaben sollte auch der damals größte deutsche Freiballon (3500 m³) dienen, der am 15. Juli auf den Namen Dr. Hans Hartmann getauft wurde. Dr. Hans Hartmann war Mitglied der deutschen Nanga-Parbat-Expedition gewesen und dort 1937 tödlich verunglückt. Der Ballon gehörte der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt Berlin-Adlershof. Er sollte insbesondere der Erforschung der Höhenstrahlung dienen. Der erste Aufstieg erfolgte unter Führung von Dr. Ruffert (Berlin). Die Aufrüstung des Ballons und die Füllung mit 2500 m³ Wasserstoff durch den Bitterfelder NSFK-Sturm 4/36 (der auch den Ballon betreute), gingen innerhalb von 2 Stunden vor sich. Die Landung erfolgte am Abend bei Köthen. 3500 m Höhe waren erreicht worden und alle Systeme funktionierten tadellos. Auch an dieser Fahrt nahm Willi Drechsler teil.

Die Bitterfelder Segelflieger und Modellflieger beteiligten sich aktiv an zahlreichen Wettbewerben und bauten eifrig. So schulten die Segelflieger z. B. am Osterwochenende 1938 am Blonsberg und konnten trotz ungünstiger Wetterlage 114 Starts und Landungen absolvieren. Die Flieger-HJ, die in enger Verbindung mit dem Bitterfelder NSFK Sturm 4/36 stand, veranstaltete am 18. September auf dem Flugplatz Wachtendorf einen Wettbewerb, bei dem etwa 50 Modelle starteten. Zum Bau der Modelle standen in Wolfen, Sandersdorf, Gräfenhainichen, Zörbig und am Ballonfüllplatz Bitterfeld gut ausgerüstete Werkstätten zur Verfügung. Segelflugzeugbau erfolgte in Bitterfeld, Düben, Gräfenhainichen und Zörbig.