1929

Die Jahre 1919 bis 1939:
Der Text wurde der Broschüre 90 Jahre Bitterfelder Verein für Luftfahrt 1909-1999 entnommen. Autor der Texte zu den Jahren 1919 bis 1939 ist Dr. Jürgen Seifert.

1929

1929 feierte der Bitterfelder VfL sein 20-jähriges Bestehen. Zur Festveranstaltung am Sonnabend, dem 20. April im Neuen Spiegelsaal von Döring’s Konzerthaus konnte mit Recht festgestellt werden, dass das bei der Gründung gesteckte Ziel: Die Luftfahrt in jeder Beziehung nach besten Kräften zu fördern, erreicht war. Besonderer Dank wurde dem Vereinsvorsitzenden Dr. Max Jaeger ausgesprochen, der seit 1915 den Verein leitete und dessen Umsicht und Schaffenskraft dieser Erfolg wesentlich mit zu verdanken war. Der Chemiker Dr. Max Jaeger war Direktor der Chemischen Fabrik Griesheim Elektron Werk II Bitterfeld, in welchem u. a. auf elektrolytischem Weg der für die Ballonfahrt benötigte Wasserstoff hergestellt wurde.

Herausragendes Ereignis im Vereinsleben war wieder die Durchführung des Wasserstoffteilwettbewerbes um den DLV-Wanderpreis zu Pfingsten (18./19. Mai). 14 Ballone starteten, unter ihnen als 13. um 19.10 Uhr der frisch getaufte Bitterfeld IX (945 m³) mit dem Ballonführer Robert Petschow. Nach 20 Stunden landete Petschow als Sieger dicht neben dem Flugplatz Reims in Frankreich. Die Aufnahme durch die Bevölkerung und die Behörden des ehemaligen Kriegsgegners wird als ausgezeichnet beschrieben. Da Petschow auch im Endwettbewerb um den Freiballon-Wanderpreis des DLV am 20. Oktober von Nünchritz aus siegte, gelangte der Bitterfelder VfL endgültig in den Besitz der begehrten Trophäe.

Erwähnenswert ist die Fahrt des Bitterfeld VI unter Führung von Paul Rohr (Hannov. Aeroclub) am 10./11. Februar von Bitterfeld nach Torphius in der Nähe von Aberdeen/ Schottland. Da eine Landung wegen des starken Windes auf dem europäischen Festland nicht mehr gelang, wurden die 3 Ballonfahrer über die Nordsee getrieben und landeten nach 18-stündiger, z. T. unfreiwilliger, 1350 km langer Fahrt, unversehrt in Schottland.