Martin Berger, einer unserer Piloten ist gerade auf einer Reise quer durch Neuseeland und besuchte ein Ballonfestival dort. Im folgenden Berichtet er von seinen Erfahrungen.
Ich bin momentan mit meinem Cousin zusammen auf einer Reise quer durch Neuseeland. Während der Reisevorbereitungen hab ich via facebook© einige Neuseeländische Piloten kontaktiert und bin so auf das größte Ballonfestival Neuseelands gestoßen – „Balloons over Waikato“. Die Veranstaltungsleitung hat uns nach einer kurzen Email eingeladen vorbei zu schauen und als Crewmember teil zu nehmen. Leider haben wir uns dann doch zu spät angemeldet und alle Teams waren schon voll. Wir wollten uns das Ganze trotzdem anschauen und fuhren nach Hamilton, eine Stadt in der Mitte der Nordinsel NZs.
29 Ballone waren angemeldet (in ganz NZ gibt es ca. 50 Piloten) die am Morgen des 28. März im Stadtpark von Hamilton aufrüsteten. Wir schauten uns das bunte Treiben an und hatten vieles zu entdecken.
Am Abend suchte ich einen der mir schon bekannten Piloten auf, seine Frau machte uns direkt zu seinen Crewmitgliedern und 40 min. später stand ich in einem neuen Cameron Ballon, 3 Wochen zuvor aus England angekommen, mit einem Piloten der keine Lizenz besaß, wie 90% hier.
Wir erfuhren viel über das Ballonfahren hier und ich wurde auch gleich allen anderen Neuseeländischen Piloten vorgestellt.
Am nächsten Morgen starteten 9 Ballone in die Nacht. Wie dahin schwebende Glühbirnen, wunderschön. Plötzlich bekam ich ein Mikrofon unter die Nase gehalten und der Typ, der das Mikro hielt quatschte auch schon los, als ich mitbekam, dass ich gerade als der „German pilot“ live im lokalen Radio „on air“ war.
Am Abend ging es zur Brenner Parade. Allerdings heißt das hier nicht einfach die Körbe auf die Wiese zu stellen und ein bisschen mit dem Feuer zu spielen, als viel mehr Autos, Anhänger und die darauf stehenden Körbe zu schmücken, zu bemalen und einen riesigen Spaß zu veranstalten. Anschließend geht es, wie beim Kölner Fasching, als Parade mit fauchenden Brennern und Bonbon werfender Crews durch die Stadt. Es waren so viele Menschen unterwegs, um sich das Spektakel an zu schauen – purer Wahnsinn. Nach zwei Runden durch das Stadtzentrum und ca. 25 abgebrannten Baumspitzen, hielt die Parade und die Leute konnten sich die Ballonkörbe von Nahem anschauen. Sehr lustige Sache.
Am nächsten Morgen ging es für jede Crew in eine Schule der Stadt Hamilton. Die Kids waren total begeistert, ich habe noch nie so viele solch erstaunte, beeindruckte, ängstliche und neugierige Kinderaugen gesehen, die dermaßen glühten, nur weil da ein Ballon im Schulhof stand. Ein wunderschöner Eindruck. Anschließend gab es für uns noch Frühstück in der Schulküche. Am Vortag war „Maorisches Erntedankfest“ und wir bekamen Schweinefleisch mit Süßkartoffeln und Kohl. Echt lecker, mag man nicht nur süßes Frühstück.
Am Abend war großer „Nightglow“ angesagt, angekündigt als das Highlight des Festivals. Hierfür war der ganze Campus zur Verfügung gestellt. Die Crews fuhren schon um 1600 Uhr auf die Wiese, um dem angekündigten Verkehrschaos zu entgehen. Es waren nur 20 Hüllen, aber es kamen 19000 Menschen aus ganz NZ, um sich die glühenden Ballone an zu schauen. Ich war sehr beeindruckt, nicht etwa vom „Nightglow“, sondern von diesen Menschenmassen. Man fühlte sich wie bei einem Rockkonzert, nur stand man diesmal auf der Bühne. Richtig gute Stimmung und ein beeindruckendes Erlebnis.
Die letzte Fahrt ist nun schon 2 Tage her, bei wunderschönstem Wetter, wobei das keinen Piloten zu stören schien.
Zum letzten Mal wurden die Ballone zum „Tethering“ am nächste Morgen aufgerüstet. Das geht wie folgt: Man befestigt den Korb an 2 Autos und einem Crewmitglied mit jeweils einem Seil und dann füllt man ihn für den guten Zweck mit 6 Kindern, steigt kurz auf, kommt wieder runter, tauscht die Kids und beginnt noch einmal von vorn. Unten sammelt ein Helfer dann 10 NZCents pro Kind ein.
Eine Lizenz wird nur für kommerzielle Piloten verlangt. Die Bestimmungen sind auch mit den Deutschen vergleichbar. Private Piloten brauchen keine Lizenz. Zur Ausbildung bindet man seinen Ballon an ein 100m langes Seil und übt das Auf und Absteigen, irgendwann macht man seine erste Fahrt und landet beim Nachbarn. Dann muss man mit einem „erfahrenen Piloten“ fahren, nach 30 Std. darf man allein auf ein Festival. Die jüngste Pilotin hat mit 14 Jahren das erste Mal alleine im Korb gestanden.
Ich erlaubte mir die Frage nach der Wettervorbereitung zu stellen. Die Antwort war: Wir schauen den Wetterbericht im Fernsehen, oder wir schauen an den Himmel, ist schönes Wetter, starten wir.
Zu den Festivals kommt der Pilot, zahlt weder Startgeld, noch Gas, bekommt Unterkunft, Gas, Verpflegung und was man sonst noch so braucht, gestellt. Es gibt keine Absperrung, d.h. die Zuschauer sind mitten drin und überall.
Zahlende Gäste gibt es nicht, weil die Piloten ohne Lizenz kein Geld nehmen dürfen, auch das Crewing kostet nix.
Den Australischen Piloten wurden sogar die Transportkosten erstattet, die für das Verschiffen von Melbourne nach Auckland anfielen.
Die Ballone hier sind zum größten Teil „Kavanagh“ aus Australien, sehr farbenfroh und ohne Werbung, aber auch Experimentals aus den USA( quasi selbst gebaut).
Der Ballon mit den Pfeilen auf der Hülle ist in 300 Arbeitsstunden komplett selbst genäht.
Am meisten schockte mich, dass hier keine Lizenz benötigt wird um Ballon zu fahren, doch man muss sagen, dass die meisten Piloten sehr geschickt mit ihrem Equipment umgehen und sehr genau wissen, wo ihre Grenzen liegen, auch wenn sie keine Lizenz besitzen. Es ist einfach ein ganz anderer Lifestyle hier unten.
Man kann nicht sagen, dass sie es schlechter machen. Nur einfach komplett anders.
Es ist wahrscheinlich auch sehr schwer NZ mit Deutschland zu vergleichen, gibt es hier 77,4 Mio Menschen weniger als bei uns.
Auf Grund des schlimmen Unfalls zu Weihnachten soll nun eine Lizenz eingeführt werden (der Pilot war ein Pilot mit kommerzieller Lizenz)
Das Geld ist hier auch nicht so in den Vordergrund gerückt, wie es das bei uns zu weilen zu sein scheint. Das macht vieles ein wenig entspannter.
Interessante, beeindruckende und sehr schöne Eindrücke nahmen wir mit und ein paar sehr lustige Tage verbrachten wir hier und sind auch schon für nächstes Jahr eingeladen unseren eigenen Ballon mit zu bringen.
Martin Berger




















